Kursdetails

Jecheskiel David Kirszenbaum (1900 -1954)

Karikaturen eines Bauhausschülers zum Zeitgeist der Weimarer Republik


Status Keine Anmeldung möglich Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich!
Kursnummer 221-09060
Kursart Präsenzkurs (reine Vor-Ort-Veranstaltung)
Kosten
Eintritt frei
Zeitraum Mi., 25.05.2022 - Fr., 10.06.2022
Uhrzeit 09:00 Uhr - 22:00 Uhr
Dauer 17 Termine

Der Künstler Jecheskiel David Kirszenbaum wurde 1900 in Staszow (damals Russland, heute Polen) als dritter Sohn einer Rabbinerfamilie geboren. Obwohl er der jüdischen Religion sein Leben lang eng verbunden blieb, stand er ihr auch kritisch gegenüber und schloss sich der sozialistisch-zionistischen Hashomer-Hatzair-Jugend an. Das Leben im jüdischen Schtetl (Jiddisch שטעטל) war jedoch immer ein zentrales Thema seines künstlerischen Schaffens. Da nach Ausbruch des Polnisch-Sowjetischen Krieges für ihn die Gefahr bestand, zur polnischen Armee eingezogen zu werden, ging er 1920 als Bergmann ins Ruhrgebiet. In Duisburg wurde der Kunsthistoriker August Hoff (1892-1971) auf den jungen Maler aufmerksam und ermutigt ihn, ein Kunststudium am Staatlichen Bauhaus in Weimar aufzunehmen. 1923 begann er seine Studien in Weimar. Zu seinen Lehrern zählten Feininger, Klee und Kandinsky. Nach dem Umzug nach Dessau war sogar eine Anstellung als Bauhausmeister im Gespräch. Er zog jedoch 1926 als freischaffender Künstler nach Berlin. Neben seinen Arbeiten als Maler verdiente er seinen Lebensunterhalt u.a. als Karikaturist für linksliberale Blätter und die Arbeiterpresse in Berlin und München, u.a. für „Ulk“, „Querschnitt“, „Roter Pfeffer“, „Magazin für alle“ und „Jugend – Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben“, zum Teil unter dem Pseudonym „Duwdiwani“. 1929 stellte Kirszenbaum auf der "Juryfreien Kunstausstellung" in Berlin aus. Er wurde Mitglied der "Assoziation revolutionärer bildender Künstler" und nahm 1931 an deren Ausstellung teil.

1933 floh Kirszenbaum mit seiner Frau Helma Joachim nach Paris und wurde Mitglied der Ècole de Paris. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden Kirszenbaum und seine Frau interniert und ein Großteil seiner künstlerischen Arbeiten vernichtet. Er kam zunächst in das Lager bei Meslay-du-Maine östlich von Rennes und dann in ein Arbeitslager im Dorf Saint-Sauveur bei Bellac im Département Haute-Vienne. Von dort konnte Kirszenbaum 1942 fliehen und sich bis zum Kriegsende verstecken. Seine Frau Helene war zunächst im Internierungslager Camp de Gurs nördlich der Pyrenäen inhaftiert. Sie wurde dort kurzzeitig entlassen und kehrt nach Paris zurück. 1943 wurde sie abermals verhaftet, über das nahe Paris gelegene Durchgangslager Drancy am 20. Januar 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Kirszenbaum lebt ab 1945 wieder in Paris und wird französischer Staatsbürger. Es gelingt ihm nochmals ein Neuanfang und er verarbeitet bis zu seinem Tod 1954 diese Lebensstationen und den erlittenen Verlust künstlerisch.

J.D. Kirszenbaum ist ein herausragendes Beispiel eines verfolgten Künstlers, dem eine große Zukunft vorausgesagt wurde, der unter der Naziherrschaft litt und dessen Schaffen letztlich nur dank des Engagements seines Großneffen und engagierter Freundinnen und Freunde sowie verschiedener Einrichtungen wie dem Goethe-Institut Tel Aviv vor dem Vergessen bewahrt werden konnte.

Sein Lebensweg ließ Kirszenbaum zu einem Augenzeugen der Republik von Weimar werden. Als Karikaturist spottete er über Künstlerkollegen und Kunstliebhaber, hielt er verzeihbare menschlich Schwächen ebenso fest wie die Zerstörung der Weimarer Demokratie. Viele Dinge, die er damals beobachtete, sind keineswegs abgeschlossene historische Ereignisse und Erscheinungen, sondern seine Karikaturen ermahnen uns vielmehr, aktuelle Entwicklungen kritisch zu sehen.


Dauer der Ausstellung:25.05.2022 bis 10.06.2022

Täglich von 9.00 bis 22.00 Uhr

Eintritt frei

Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich!

Dozent(en)

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Foto Kirszenbaum um 1954 Karikatur Künstler Kirszenbaum karikiert von Citroen