Bevölkerungsschutz beginnt bei uns allen
Wie gut sind wir auf Krisen vorbereitet? Und was kann jeder Einzelne tun, um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion „Zivilschutz im Wandel – Eigenverantwortung als Grundlage für Sicherheit“, zu der das Forschungszentrum RISK der Universität der Bundeswehr München in Kooperation mit der vhs SüdOst am 13. Oktober 2026 eingeladen hatte. Das Interesse war groß: Rund 80 Gäste verfolgten die Diskussion im UniCasino, mehr als 100 Personen waren online zugeschaltet.
Unter der Moderation von Prof. Dr. Ursula Münch (Akademie für Politische Bildung Tutzing) diskutierten Fachleute aus Wissenschaft und Praxis darüber, wie sich unsere Gesellschaft besser auf Krisen und Katastrophen vorbereiten kann. Eine zentrale Erkenntnis: Bevölkerungsschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der staatliche Verantwortung, persönliche Vorsorge und gesellschaftlicher Zusammenhalt ineinandergreifen müssen.
Prof. Dr. Dr. Johannes Wallacher, Präsident der Hochschule für Philosophie München, plädierte dafür, wieder stärker eine Kultur der Eigenverantwortung zu entwickeln. Entscheidend sei dabei auch die Erfahrung, durch eigenes Handeln etwas bewirken zu können. Johanne Peter vom Arbeiter-Samariter-Bund betonte, dass Vorsorge für alle Menschen möglich sein müsse – unabhängig von ihren persönlichen Voraussetzungen. Schon die Sensibilisierung für mögliche Gefahren und der Besuch von Kursen mit Selbstschutzinhalten seien wichtige erste Schritte.
Vorsorge muss nicht perfekt sein – jeder Schritt zählt: Das machte Dr. Michèle Roth-Dührkoop vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) deutlich. Auch wenn die empfohlene Bevorratung für zehn Tage für viele Menschen schwer umzusetzen sei, helfe bereits eine schrittweise Vorbereitung. Dazu gehöre beispielsweise, wichtige Medikamente und Dokumente griffbereit zu haben. Ebenso wichtig sei der Blick auf das eigene Umfeld: Wer könnte in der Nachbarschaft im Krisenfall Unterstützung benötigen?
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Bedeutung von Solidarität und Zusammenhalt. Während die Hilfsbereitschaft in akuten Krisen häufig groß ist, spielt gemeinschaftliche Vorsorge bislang eine geringere Rolle. Dabei stärken gute Nachbarschaft, funktionierende Netzwerke und gegenseitige Unterstützung die Widerstandsfähigkeit der gesamten Gesellschaft.
Zum Abschluss gaben die Podiumsgäste praktische Empfehlungen mit auf den Weg: Dazu gehörten ein kabelbetriebenes Radio bereithalten, Informationen kritisch zu prüfen, wissenschaftlich fundierte Quellen zu nutzen und mit anderen Menschen über Krisenerfahrungen ins Gespräch zu kommen. Prof. Dr.-Ing. Norbert Gebbeken, Sprecher des Forschungszentrums RISK, verwies zudem auf die hilfreichen Informationsangebote des BBK, die noch bekannter werden müssten. Dazu zählt auch die neue Broschüre „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“
Die Botschaft des Abends: Wer sich vorbereitet, gewinnt Sicherheit und Handlungsfähigkeit. Dabei geht es nicht darum, Ängste zu schüren, sondern ihnen durch Wissen, Eigeninitiative und gemeinsames Handeln zu begegnen. Die gut besuchte Veranstaltung zeigte, wie wichtig der Austausch zwischen Wissenschaft, Hilfsorganisationen und Bevölkerung für eine resiliente Gesellschaft ist.
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(v.r.n.l.): auf dem Podium: Prof. Dr. Dr. Johannes Wallacher (Hochschule für Philosophie München), Johanne Peter (Arbeiter-Samriter-Bund), Prof. Dr.-Ing. Norbert Gebbeken (Universität der Bundeswehr München), Prof. Dr. Ursula Münch (Moderation). Auf der Leinwand: Dr. Michèle Roth-Dührkoop (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe). Ganz links im Bild: vhs-Geschäftsführer Christof Schulz.